.:: Arbeits- und Forschungsstelle für Zoo- und Naturpädagogik
Universität
Koblenz-Landau

Nationale Projekte Pflanzenkenntnis von Grundschülern

Pflanzenkenntnis von Grundschülern

(Projektleitung: Dr. Gudrun Hollstein; Stand: abgeschlossen)

Im Zeitraum 1999/2000 wurden im Rahmen einer Studie rund 600 Grundschulkinder (2.-4. Klasse) hinsichtlich ihrer pflanzenbezogenen Formenkenntnisse in der Zooschule befragt. Die Ergeb- nisse dieser Untersuchung sind unter dem Titel "Pflanzenkenntnis als Teil der Umweltbildung" im Schneider Verlag Hohengehren erschienen.


Auszug aus: Hollstein, Gudrun: "Spitzwegerich? Nie gehört!" In: Sache-Wort-Zahl, Heft 1/2002, S.12-18

Kennen Grundschulkinder weit verbreitete Pflanzen ihrer Heimat? Die Arbeits- und Forschungs- stelle für Zoo- und Naturpädagogik der Universität Landau untersuchte die Pflanzenkenntnis von Grundschülern.

Die Kenntnis von Pflanzen spielt für die Ausbildung eines Umweltbewusstseins sowie für natur- schützerisches Verhalten eine wichtige Rolle. Grundlagen hierzu werden erfahrungsgemäß am effektivsten bereits im Kindergarten- und Grundschulalter gelegt. Doch wie sieht es mit der Pflanzenkenntnis heutiger Kinder aus? Sind ihnen zumindest die häufigsten Pflanzen ihrer Umwelt mit Namen bekannt?

Im Zeitraum 1999/2000 wurden 561 Kinder (268 Mädchen und 293 Jungen) der Klassen zwei bis vier aus 11 Grundschulen der Stadt Landau und ihrem Umland befragt. Die Kinder sollten sechs in ihrer Lebenswelt häufig vorkommende krautige Wildpflanzen (Scharfer Hahnenfuß, Wiesen-Rotklee, Wiesen-Glockenblume, Gewöhnliche Kratzdistel, Ackerwinde, Spitzwegerich) sowie zwei der in Deutschland bekanntesten Baumarten (Stieleiche, Rosskastanie) auf Bildern erkennen und mindestens die Gattungsbezeichnung angeben.

Die Ergebnisse stimmen nachdenklich: Von 561 Schülern konnten 74% den Klee, 99% den Wege- rich, 95% die Glockenblume, 99% die Winde, 85% die Distel, 44% die Kastanie und 48% die Eiche nicht richtig benennen oder zu diesen Pflanzen einen "fast richtigen" Namen angeben. Ledig- lich für den Hahnenfuß ("Butterblume") zeigt sich ein anderes Bild: Diese Pflanze wurde von den meisten Kindern wenigstens mit einem "fast richtigen" Namen bezeichnet.

Es erscheint sehr fraglich, ob die Pflanzenkenntnis heutiger Grundschüler als eine Grundlage für umweltbewusstes, naturschützerisches Handeln ausreicht. Der überaus hohe Prozentsatz des "Nichtwissens" überrascht insofern, als nahezu alle Kinder Schulen besuchten, die ein Erreichen von Wiesen und Feldern bequem zu Fuß möglich machen. Obwohl Kinder in Rheinland-Pfalz lehrplangemäß am Ende der Grundschulzeit eine Reihe von Pflanzen des heimatlichen Lebens- raumes kennen sollten, findet dieser Aspekt im Unterricht offensichtlich zu wenig Beachtung. Die Leiterin der Untersuchung, Dr. Gudrun Hollstein, sieht in den Ergebnissen ein Indiz für die derzeitige Tendenz im Rahmen der Umwelterziehung, die Vermittlung von Wissen zugunsten des affektiven Erlebens zurückzudrängen.

Die aktuellen Ergebnisse legen nahe, die Vermittlung von Pflanzenkenntnis stärker als bisher im Unterricht der Grundschule zu berücksichtigen. Dies setzt zum einen voraus, dass Lehrer im Rahmen der Aus- und Fortbildung dazu in die Lage gebracht werden. Zum anderen erscheinen Hollstein auch entsprechend klare Vorgaben im Lehrplan als notwendig. Letztendlich müssten aber die Schulen selbst darauf achten, dass die Vermittlung von Pflanzenkenntnis im Unterricht nicht zu kurz kommt.