.:: Arbeits- und Forschungsstelle für Zoo- und Naturpädagogik
Universität
Koblenz-Landau

Nationale Projekte Fremdsprachenbegegnung

Fremdsprachenbegegnung
in Lernorten außerhalb des Klassenzimmers

Sinn und Notwendigkeit eines frühen Fremdsprachenlernens ist unter Pädagogen kaum noch umstritten, und so ist in Deutschland das Erlernen einer Fremdsprache in der Grundschule in den letzten Jahren zur Normalität geworden. Für das fremdsprachliche Lernen im Klassenraum liegen bereits zahlreiche Unterrichtskonzepte vor, nicht jedoch für das Lernen außerhalb des Schulgebäudes - obgleich Unterrichtsgänge heute zu den zentralen Arbeitsformen der Grund- schule gehören. Ausgehend von diesem Desiderat realisiert die Arbeits- und Forschungsstelle für Zoo- und Naturpädagogik seit 1999 ein Modellprojekt, das zunächst auf fremdsprachliches Lernen im Zoologischen Garten ausgerichtet ist.

Allgemeine Zielperspektiven

Mit dem langfristig angelegten Projekt soll ermittelt werden, ob und wie sich Fremdsprachen- arbeit auch mit dem Lernen außerhalb des Klassenzimmers ohne Überforderung von Grundschul- kindern vereinbaren lässt. Es werden zunächst Unterrichtskonzepte entwickelt und erprobt, die insbesondere Grundschülern ermöglichen sollen, das Kennenlernen und Erleben von Tieren im Zoo mit der Begegnung einer Fremdsprache - wahlweise Englisch oder Französisch - zu verbin- den. Die Unterrichtserprobungen finden in der Zooschule Landau statt, die als Laborschule das "Herzstück" der Arbeits- und Forschungsstelle bildet. Bis zu 16.000 Kinder aus Kindergärten und Schulen der Region werden hier jährlich nach modernen pädagogischen Grundsätzen und im direkten Kontakt mit den Tieren des Landauer Zoos unterrichtet. Zu einem späteren Zeitpunkt soll geprüft werden, inwiefern sich die für den Lernort Zoo entwickelten Unterrichtskonzepte zur Fremdsprachenarbeit auch auf andere außerschulische Lernorte, wie beispielsweise Museen und Botanische Gärten, übertragen lassen.

Projektziele im Hinblick auf die speziellen Funktionen der Zooschule Landau

Das pädagogische Angebot „Fremdsprachenbegegnung im Zoo“ soll dazu beitragen, eine inter- kulturelle Erziehung von Kindern mit Blick auf ein immer mehr zusammenwachsendes Europa im Grundschulalter zu unterstützen. Da die Erziehung zum europäischen Bürger nicht allein der Schule vorbehalten sein darf, möchte auch die Zooschule Landau als öffentliche Bildungsinstitu- tion einen Beitrag dazu leisten, mit dem Ziel, dass sich Kinder für fremde Menschen und Kultu- ren öffnen, Vorurteile abbauen und sich für die gemeinsame Gestaltung des Lebens und vor allem auch für die Erhaltung von Lebensräumen einschließlich Tier- und Artenschutz in der europäischen Gemeinschaft engagieren. Zu diesem Zweck werden die Kinder in der Zooschule ergänzend mit länderübergreifenden Naturschutz- / Auswilderungsprojekten vertraut gemacht.

Mit dem Modellprojekt wird auch eine Bereicherung der Zooschule in ihrer besonderen Funktion als Erfahrungsfeld für angehende Grundschullehrer intendiert: Die Zoopädagogen – vor allem Studierende der Fächer Grundschul- und Sonderpädagogik - können nun ihre unterrichtlichen Erfahrungen mit Kindern auch auf den fremdsprachlichen Unterricht ausweiten. Dies ist für sie insofern von großer Bedeutung, als Grundschulkinder in Rheinland-Pfalz ab der ersten Klasse eine Fremdsprache erlernen und dafür entsprechend ausgebildete Lehrer benötigen.

Grundlage: Das Konzept "Integrierte Fremdsprachenarbeit"

Ausgangspunkt des Projektes bildet das als Schulversuch des Bundes und des Landes Rheinland-Pfalz (unter Beteiligung des Saarlandes) entwickelte und erprobte Konzept der Integrierten Fremdsprachenarbeit in der Grundschule, in dessen Rahmen positive Erfahrungen hinsichtlich des fächerintegrierenden Unterrichts gesammelt wurden. Im Rahmen der „Integrierten Fremd- sprachenarbeit“ erfolgt die Fremdsprachenbegegnung nicht im Rahmen eines zusätzlichen Faches, sondern sie ist eingebunden in die traditionellen Lernbereiche und in das Schulleben. Dabei sind auch lehrgangsartige Sequenzen vorgesehen, um eine elementare sprachliche Kompetenz zu vermitteln. Das Lernen folgt jedoch keinesfalls einem festgelegten, starren Curriculum; es ist auch nicht vorgesehen, das Lernen nach linguistischen Gesichtspunkten auszurichten. Vielmehr geht es darum, die Kommunikationsmöglichkeiten der Kinder durch die Vermittlung von wichtigen Redemitteln zu erweitern. Dies geschieht in lockerer Folge und in spielerischer Form.

Basierend auf dem Konzept "Integrierte Fremdsprachenarbeit" wurden unter Mitwirkung von Studierenden Unterrichtseinheiten entwickelt, die das Einbinden der Fremdsprachenarbeit in den Unterricht im Zoo vorsehen. Ihr Aufbau nach dem "Bausteinprinzip" ermöglicht eine individuelle Zusammenstellung der Unterrichtssequenzen nach dem jeweiligen Lernstand der Schulklassen.

Zur Unterrichtspraxis

Der fremdsprachliche Unterricht in der Zooschule ist so angelegt, dass die Kinder an einem Vormittag ca. fünf neue französische/englische Wörter, z.B. Bezeichnungen für Zootiere, Körperteile und Nahrungsmittel, kennen lernen. Daneben haben die Kinder Gelegenheit, die bereits bekannten Redewendungen in vielfältigen Situationen spielerisch einfließen zu lassen. Selbstverständlich lernen die Kinder auch eine oder zwei Tierarten unter bestimmten Frage- stellungen - beispielsweise, wie Tiere an ihren Lebensraum angepasst sind - genauer kennen. Hierbei werden die notwendigen biologischen Kenntnisse den Kindern im Wesentlichen in der deutschen Sprache vermittelt, jedoch ergänzt und bereichert um die fremdsprachige Kompo- nente.

Für die Fremdsprachenarbeit im Zoogelände werden zwei große Handpuppen als zentrale Medien eingesetzt. Diese werden den Kindern als die "Tierspezialisten" Pierre und Monique (Lucy und Tom) vorgestellt, die aus Frankreich (England) in den Landauer Zoo gekommen sind und deshalb nur französisch (englisch) sprechen. Die Erfahrungen zeigen, dass die Kinder sehr gespannt zuhören, wenn beispielsweise Pierre und Monique sie zunächst in der Fremdsprache begrüßen und sich vorstellen. Anschließend dürfen sich auch die Kinder einbringen: "Je m’appelle Michaela." "Je m’appelle Sven." .... Vieles, was die beiden Handpuppen sagen, fragen und erklären, können die Kinder meist schon gut verstehen. Bei schwierigeren Sätzen helfen Mimik, Gestik, Bilder und reale Gegenstände. Und schließlich leisten die Zoopädagogen bei Verständnisschwierigkeiten Hilfestellung. Die Zoopädagogen achten darauf, dass die fremdspra- chigen Erklärungen der eingesetzten Handpuppen dem Lernniveau und den Lerninteressen der Kinder angepasst sind. Sie gebrauchen einfache Sätze, sprechen langsam, betten ihre Äußerun- gen in Handlungszusammenhänge ein und sorgen dafür, dass die Kinder die neuen Redemittel wiederholt in unterschiedlichen Zusammenhängen hören können. Wichtiger als das aktive Sprechen der Kinder ist das Hörverstehen. Daher haben die Kinder die Möglichkeit, auf die fremdsprachigen Äußerungen durch Gesten, Handlungen oder auch in der deutschen Sprache zu reagieren; ggf. kann später, wenn die Kinder ein Wort oder eine Struktur mehrmals gehört und verarbeitet haben, die eigene produktive Umsetzung in der Fremdsprache folgen.

Für das Projekt "Fremdsprachenbegegnung im Zoo" werden einige der 40 Zoopädagogen der Zooschule Landau speziell geschult. Neben ihrer biologischen Ausbildung erwerben sie spezielle Kenntnisse zur Integrierten Fremdsprachenarbeit und verfeinern zudem in Arbeitsgemeinschaf- ten unter Beteiligung von Muttersprachlern ihre Kenntnisse in der Fremdsprache.

Projektbezogene Erfahrungen

Die bisherigen projektbezogenen Erfahrungen zeigen, dass eine Verbindung von Fremdspra- chenbegegnung und dem Kennenlernen von Tieren im Zoologischen Garten gut zu gelingen vermag. Dies liegt wohl zum einen darin begründet, dass im Zoo der neue fremdsprachige Wortschatz und die neuen Satzstrukturen im Zusammenhang mit lebenden Tieren und real vorhandenen Gegenständen erarbeitet und bereits bekannte Redemittel in ‘natürlichen’ Situationen angewendet werden können. Eine hohe Lernmotivation ist durch die besondere Lernumgebung gegeben; multisensorisches Lernen und Erlebnisse unterstützen auch fremd- sprachenbezogene Lerneffekte. Zum anderen kann gerade durch die Orientierung am Konzept der Integrierten Fremdsprachenarbeit, das keinen reinen Fachunterricht, sondern wohldosierte Einschübe von spielerischen Lernsequenzen vorsieht, einer Überforderung der Kinder entgegen- gewirkt werden.